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Über den Sinn und Unsinn agiler Skalierung

5 Tipps, die Sie beim Skalieren agiler Teams beachten sollten!
Photo by David Emrich on Unsplash

Die Skalierbarkeit eines Geschäftsmodells ist eines der wichtigsten Erfolgskriterien für Wachstum (1). Skalieren heißt in diesem Kontext zum Beispiel, dass Marktanteile, Umsätze und Gewinne stärker steigen als die dafür eingesetzen Mittel (2). Das klingt für Unternehmen natürlich äußerst verlockend. Viele unserer Kunden stellen sich – und uns – daher die Frage, ob sich nicht auch die agile Entwicklung skalieren lässt. Aber lässt sich die Skalierung eines Geschäftsmodells oder Produktes überhaupt mit der Skalierung eines Teams vergleichen? Und kommen zehn agile Teams wirklich auch zehnmal so schnell ans Ziel?

Unsere ehrliche Antwort: Nein. Denn beim erfolgreichen Skalieren von Teams gibt es einige sehr wichtige Dinge zu beachten.

Unsere fünf Tipps, um agile Entwicklung zu skalieren:

Tipp Nr. 1: Skalieren – bitte (noch) nicht!

Verstehen Sie uns bitte nicht falsch: Wir unterstützen und begleiten Sie und Ihr Unternehmen dabei, flexibel, kreativ und schnell auf die komplexen Herausforderungen unserer Zeit zu reagieren und diese in nachhaltige Lösungen zu verwandeln. Genau das definiert für uns Agilität – aber genau diesen agilen Ansatz setzen Sie aufs Spiel, wenn Sie Ihr agiles Team zu früh skalieren.

Denn mehr Teams bedeuten auch mehr Kommunikation und mehr Koordination. Der Abstimmungsbedarf, der sich aus der Zusammenarbeit oder etwaigen Abhängigkeiten der Teams untereinander ergibt, macht Ihre Produktentwicklung damit ineffizienter. Die Team-Mitglieder haben durch diesen zusätzlichen Aufwand weniger Zeit für die eigentliche Entwicklung. Zudem steigt das Risiko, durch zu wenig Austausch untereinander die notwendige Transparenz zu verlieren und zusätzliche Schleifen zu drehen. Der höhere Integrationsaufwand der einzelnen Team-Ergebnisse verzögert möglicherweise auch die Time-to-Market, die Produkteinführung, und erhöht damit die Entwicklungskosten weiter. All dies widerspricht unserem Verständnis von Agilität bei Amazing Outcomes – und deswegen sind wir auch von unserem zweiten Tipp überzeugt.

Tipp Nr. 2: „Nail it, before you scale it”

In Anlehnung an den Titel des gleichnamigen Management-Ratgebers (3) wissen wir aus oft schmerzlicher Erfahrung, dass Ihr Team zunächst umfassend Erfahrungen im agilen Arbeiten und einen gewissen Reifegrad erlangen sollte, bevor Sie gemeinsam den nächsten Schritt gehen und wachsen. Geben Sie sich und Ihren Team-Mitgliedern Zeit, sich zu finden, sich im Einsatz agiler Arbeitsweisen zu üben, zu hinterfragen und zu verbessern. Erst wenn Sie mit einem einzelnen agilen Team regelmäßig mindestens einmal pro Iteration ein für den Nutzer nutzbares Ergebnis liefern, sollten Sie sich die Frage stellen, ob Sie und Ihr Team bereit zum Skalieren sind.

Denn Vorsicht: Bestehende Probleme in Ihrem agilen Team, werden beim Skalieren mitskaliert. Es lohnt sich also, sich die Zeit zu nehmen und sich lieber einmal zu viel gegen das Skalieren zu entscheiden, dafür aber Ihr Team an Erfahrung gewinnen zu lassen.

Tipp Nr. 3: Deskalieren statt skalieren

Das führt uns direkt zu unserem dritten Tipp, um agile Entwicklung richtig zu skalieren – oder eben auch zu deskalieren. Agilität beschreibt das fokussierte Arbeiten in einzelnen Iterationen, um letztendlich zur richtigen, nachhaltigen Lösung zu gelangen. Stellen Sie sich und Ihr Team also immer wieder auf den Prüfstand:

  • Stimmt unsere Priorisierung?
  • Arbeiten wir an den richtigen Dingen?
  • Liegt unser Fokus auf dem wertvollsten Aspekt?
  • Oder arbeiten wir an zu vielen Themen gleichzeitig?

Unser Rat: Deskalieren Sie zunächst Ihr Team und Ihr Produkt:

Schöpfen Sie das Potenzial Ihres agilen Teams erstmal vollständig aus. Sie werden sehen, was ein einzelnes Team alles leisten kann, wenn es seine Zusammenarbeit, Prozesse, Werkzeuge und seinen Fokus wirklich optimiert. Gerade für große Unternehmen sind langsame Prozesse, konkurrierende Ziele und Meeting-Marathons typisch. Ein agiles Team, das sich von all dem befreien kann, ist für das Ergebnis sehr viel effektiver - und günstiger - als mehrere Teams, die diesen Grad der Effizienz nicht erfüllen.

Vergleichbares gilt für Ihr Produkt. Soll es sich wirklich durch mehr oder doch lieber durch bessere Features auszeichnen? Experimente und andere agile Praktiken helfen Ihnen herauszufinden, wie Sie ihr Produkt deskalieren können, um die wirklich wertvollen Eigenschaften in den Fokus zu rücken - und die irrelevanten wegzulassen. Bevollmächtigen und vertrauen Sie auf Ihren Product Owner, hier die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Tipp Nr. 4: Abhängigkeiten vermeiden - statt diese zu managen

In Tipp 1 haben wir bereits auf den steigenden Koordinationsaufwand und die damit verbundenen steigenden Kosten hingewiesen. Hier möchten wir nochmals ein besonderes Augenmerk auf die Abhängigkeiten legen, die durch die Skalierung von agilen Teams entstehen. Denn nicht nur die oben angesprochenen Abstimmungsbedarfe unter den einzelnen Teams kosten Zeit und Geld. Auch die vier folgenden Abhängigkeiten sollten vor der Entscheidung für eine Skalierung kritisch hinterfragt werden:

Abhängigkeit von Kenntnissen
Bei vielen parallel arbeitenden agilen Teams werden Sie immer auch Ihre Team-Mitglieder mit Ihren Kenntnissen aufteilen müssen. Was dem einen Team an Expertise damit zur Verfügung steht, fehlt in einem anderen. Um die Ergebnisse am Ende jedoch optimal zusammenzuführen, bedarf es in allen Teams dieser Spezial-Kenntnisse – oder an zusätzlicher Zeit für die Anpassung der gelieferten Lösungen ohne Experten-Know-how.

Abhängigkeit von Technologie
Noch eindrücklicher zeigt sich diese Abhängigkeit beim Einsatz von Technologien. Ändert sich im Verlauf des Entwicklungsprozesses beispielsweise eine technische Anforderung im Framework, muss diese Anpassung von allen übernommen und integriert werden.

Abhängigkeit vom Team-Setup
Entscheidend dafür, wie viele Abhängigkeiten zwischen mehreren agilen Teams entstehen, ist auch deren Organisation und Ausrichtung selbst: Teams, die jeweils an einzelnen Komponenten arbeiten, um diese anschließend mit den Ergebnissen der anderen Teams zu einem nutzbaren Ergebnis zusammenzuführen, werden immer nur gemeinsam nutzbaren Wert generieren. Andererseits können sogenannte Feature-Teams, die jeweils unabhängig voneinander nutzbare Produktmerkmale realisieren, auch eigenständig nutzbare Lösungen liefern.

Abhängigkeit von externen Dienstleistern
Dasselbe gilt für die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern. Entscheiden Sie sich dazu, externe Unterstützung in Anspruch zu nehmen, um intern nicht verfügbare Kenntnisse auszugleichen, erhöhen sich auch hier die Abhängigkeiten für Ihre Teams. Denn nun gilt es die eingekauften Expertise allen im Team auf Dauer zugänglich zu machen.

Egal welche Abhängigkeiten für Ihre Teams entstehen, das Ergebnis ist vor allem eins: Wartezeit. Und die daraus resultierende Frage, wer die Koordination zwischen den verschiedenen Schnittstellen übernimmt. Das Zusammenführen kann man sich vielleicht ein wenig wie Tetris spielen vorstellen – eine knifflige Aufgabe, bei der immer irgendwo eine Lücke offen bleiben wird.

Tipp Nr. 5: Arbeiten Sie empirisch und transparent

Deswegen unser letzter Tipp, um agile Entwicklung sinnvoll zu skalieren: Was gut ist, weitermachen und verstärken. Was nicht gut ist, ändern.

Agilität fordert von uns Transparenz und Offenheit für Anpassung. Arbeiten Sie empirisch und iterativ. Stellen Sie sich immer wieder die Frage, ob Ihre Lösung funktioniert und Ihr nächstes Ziel erreicht. Wenn Ihre Antwort „ja“ lautet, sind Sie auf dem richtigen Weg und Sie sollten flexibel, kreativ und schnell weitermachen. Bei einem „nein“ heißt es, die Herangehensweise nochmals zu hinterfragen, um Dinge zu verändern und anzupassen – auch bei der Skalierung Ihrer Teams.

Für uns bei Amazing Outcomes zählt das Was und nicht das Wie viel – auch im Hinblick auf die Frage der Skalierung Ihrer agilen Teams. Deswegen unser Rat: Bevor Sie skalieren, seien sie sich bewusst, dass Skalierung viele zusätzliche Herausforderungen mit sich bringt.

Doch wenn Sie hier Schritt für Schritt vorgehen, steht einer sinnvollen Skalierung Ihrer agilen Initiative nichts im Wege - wie auch diese Erfolgsgeschichte zeigt.

Gemeinsam finden wir agile Lösungen. Sprechen Sie uns gerne an. Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen!

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